Kirchenfenster 1/21

Umkehr

Ich kann mich noch ganz genau erinnern, an das Bild mit diesem Bibelvers. Das Bild hing im Andachtsraum unserer Kirchgemeinde, dort wo auch die Bibelstunde stattfand und im Winter die Gottesdienste gefeiert wurden. 

Als Kind im Primarschulalter habe ich viel Zeit gehabt, dieses Bild zu betrachten. Man sah darauf ganz viele schwarze Pfeile, die alle in die gleiche Richtung zeigten. Und mitten drin, zwischen den schwarzen Pfeilen, war ein einziger roter, der in die entgegengesetzte Richtung zeigte. 

Lange habe ich als Kind darüber nachgedacht, was das genau bedeuten sollte, und habs nicht verstanden. Und da wollte ich dich fragen, wie ist das bei dir: fällt dir das auch so schwer, das Umkehren? Ich meine, wenn dich das Navi mitten auf einem Feldweg stehen lässt und felsenfest behauptet, dass hier der Marktplatz Nr. 3 von XY ist, dann bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als mit knirschenden Zähnen umzukehren. Denn schliesslich wolltest du ja nicht mitten aufs Feld, sondern zum Marktplatz 3, wo du inzwischen ungeduldig erwartet wirst. Und ein Wendemanöver auf einem sehr schmalen Feldweg ist auch kein Vergnügen. Ich habe auch schon gesehen, dass ein Auto die ganze Strecke von anderthalb Kilometern rückwärts fahren musste, weil an ein Wenden gar nicht zu denken war. 

Nun gut, beim Autofahren nimmst du ein Umkehren in Kauf, denn schliesslich willst du ja an dein Ziel kommen, an das richtige. In anderen Situationen umzukehren ist schwieriger. Zum Beispiel bei Meinungsverschiedenheiten oder im Konflikt. Aber wenn doch ich im Recht bin…müsste da nicht zuerst der andere…?! Und dann ist es schwer und nahezu unmöglich, sich zu überwinden und einen anderen Weg einzuschlagen, um miteinander auszukommen, oder eben ans Ziel. 

Oder wenn du merkst, dass dein Lebenswandel im Moment ziemlich ungesund ist und Du weisst, du müsstest das dringend ändern und umkehren… Ich denke, dir fallen bestimmt noch ganz andere Situationen ein, wo ein Umkehren irgendwie undenkbar und unangenehm ist. Alle Pfeile weisen nur in diese Richtung, das sieht doch jedes Kind! 

Und doch ist da Gottes Güte, die möchte, dass wir genau schauen, an welches Ziel du und ich wirklich kommen wollen. Da nützt es wirklich nichts, den tristen Feldweg immer weiter und weiter zu fahren bis zu der Absperrung, wo es gar nicht weitergeht. Es ist Gottes Güte, die dich vor der Sackgasse bewahren will. 

Du liegst ihm am Herzen. 
Deshalb hält er dir die Chance zum Umkehren immer offen, 
wann immer du 
bereit dazu bist.

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